<![CDATA[Familienberatung Nina Schmidt - Blog]]>Mon, 02 Mar 2026 21:37:46 +0100Weebly<![CDATA[" gibt es überhaupt noch "normale" Kinder?"- Die Frage der Woche]]>Mon, 09 Feb 2026 10:33:01 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/-gibt-es-uberhaupt-noch-normale-kinder-die-frage-der-wocheLetzte Woche fiel der Satz mal wieder. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn schon im Laufe der Jahre und vor allem in den letzten 2 Jahren, seitdem ich Vorträge zum Thema Neurodivergenz halte, gehört habe.
Der Satz: " Gibt es eigentlich noch "normale" Kinder?"
Ich beantworte diese Frage immer mit einer Gegenfrage: "Was verstehen sie unter "normal"?"
Die Antworten fallen oft gleich aus: Kinder, die "nichts" haben, die einfach "so mitlaufen", die keine Diagnosen als Entschuldigung haben (ja, auch diese Antwort gibt es...).
"Normal" ist das, was derjenige als "normal" empfindet, der diese Frage stellt. 
Es ist Fakt, dass es heute viele Kinder gibt, die durch ihr Verhalten auffallen, weil es von dem Verhalten abweicht, was die Gesellschaft von ihnen erwartet.  Als " normal" gilt oft ein Verhalten, dass früher gerne gesehen war. Brav am Tisch sitzen bleiben, nicht zappeln, im Unterricht gut mitarbeiten und vor allem nicht auffallen durch Wut, Angst oder weinen. "Nur die Harten kommen in den Garten", ist ein Satz, den ich in meiner Kindheit oft gehört habe. Platz für eine besondere Sensibilität oder eine besondere Form der Wahrnehmung? Fehlanzeige! Viele der heutigen Eltern sind aufgewachsen mit einer Form der großen Anpassung. Sie haben maskiert, um nicht aufzufallen, um "normal" in der Gesellschaft auftreten zu können. Viele von ihnen haben einen hohen Preis gezahlt und sind später in ein Burn Out oder in Depressionen geschlittert.
Die Kinder heute zeigen, dass der Weg der Anpassung kein gesunder ist. Sie spiegeln ihren Eltern, was diese als Kind gebraucht hätten, um ohne enorme Kraftanstrengung und maskieren aufwachsen zu können. 
Um die Frage zu beantworten: "Ja, es gibt heute weniger "normale" Kinder!"
Und das ist gut so, denn diese Kinder zeigen und lehren uns, dass die Zeit der Anpassung und des Maskierens vorbei ist. Sie zeigen auf, dass noch viele Eltern unverarbeitete Entwicklungstraumata in sich tragen, die Auswirkungen auf ihr Nervensystem haben und dies wiederum Auswirkungen auf das Nervensystem der Kinder.
Es gibt eine Vielzahl an Gründen, warum es heute mehr Kinder gibt, die durch ein "herausforderndes " Verhalten auffallen. Aber statt uns zu fragen, warum die Anzahl steigt, sollten wir uns fragen, was es braucht! Was braucht es, damit die Gesellschaft  toleranter wird und nicht mehr schaut, was "normal" ist und was "abweicht". Kinder leben es uns oft vor, für sie ist die Art und Weise, wie sie die Welt erleben und wie sie darauf reagieren "normal". Sie kategorisieren nicht. Sie sind einfach.
]]>
<![CDATA["Schreien lassen stärkt die Lunge!"- Ist das so?]]>Tue, 03 Feb 2026 09:08:08 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/schreien-lassen-starkt-die-lunge-ist-das-so"Lass dein Kind doch einfach mal schreien, das stärkt seine Lungen!" oder "Du verwöhnst dein Kind viel zu sehr, wenn du es nicht einfach auch mal schreien lässt!"
Sätze wie diese und noch weitere gut gemeinte Ideen hören sich viele junge Mütter in der heutigen Zeit an. Es ist ein Thema, dass viele Frauen in Gesprächen mit Müttern, Schwiegermüttern usw. bewegt und das große Unsicherheit auslöst.
Die Frage, ob das Kind zu sehr verwöhnt wird und ob dies Auswirkungen auf das spätere Leben hat, steht dabei oft weniger im Raum, sondern das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen, dass das Kind nicht einfach schreien gelassen wird. 
Und aus Sicht des Nervensystems ist das auch keine gute Idee, wie der heutige Wissensstand zeigt.
Was passiert mit einem kindlichen Nervensystem, wenn das Kind schreien gelassen wird?
Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt immer für unsere Sicherheit zu sorgen. Ohne, dass wir es bemerken, scannt es unsere Umgebung und unseren Körper ab und schaut so, ob alles in Ordnung ist und keine Gefahr droht. Wenn Gefahr droht, dann reagiert unser System bevorzugt mit Kampf oder Flucht. Diese beiden Mechanismen stehen Säuglingen und Kleinkindern nicht oder nur unzureichend zur Verfügung. Sie sind darauf angewiesen, dass eine erwachsene Person ihr Weinen und die drohende Gefahr wahrnimmt (Hunger kann  z.B. auch eine Gefahr sein, denn ohne Nahrung stirbt das Kind)und diese beseitigt. Schreit das Kind und schreit und schreit, ohne das Jemand reagiert, dann schaltet das Nervensystem in den nächsten Modus. Erstarren. Aus einem kraftvollen Weinen wird mitunter ein leises Wimmern. Wenn dann auch keine Hilfe kommt, dann bleibt dem Nervensystem nur noch die letzte Option: Sich tot stellen. In diesem Moment sagt das Nervensystem, dass die Gefahr so groß ist und keine Hilfe kommt und es besser ist, sich von der Welt abzuschalten, um sich zu schützen. Betroffene Kinder liegen dann im Bett und scheinen ganz ruhig oder auch zu schlafen. Sie sind aber nicht ruhig, denn die aufgestaute Energie, die sich durch die fehlende Hilfe aufgestaut hat, verbleibt im Körper und es kann eine traumatische Erfahrung sein, wenn Kinder wiederholt oder über einen längeren Zeitraum schreien gelassen werden. Auch kann sich daraus das Gefühl der sogenannten erlernten Hilflosigkeit entwickeln, deren Folgen noch bis ins Erwachsenenalter reichen können. Das Gefühl der erlernten Hilflosigkeit beschreibt das Gefühl alles alleine schaffen zu müssen und keine Hilfe erwarten zu können oder zu bekommen. Viele Erwachsene kennen dieses Gefühl und die Ursache kann in der Kindheit liegen.]]>
<![CDATA[Der "stille Stuhl", Auszeiten in einem anderen Raum als Erziehungsmaßnahmen]]>Mon, 26 Jan 2026 07:51:23 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/der-stille-stuhl-auszeiten-in-einem-anderen-raum-als-erziehungsmassnahmenImmer wieder begegnet er mir, in Beratungen, auf Vorträgen oder in meinen Seminaren: Der "stille Stuhl". Der "stille Stuhl" und auch "die stille Treppe" wurden maßgeblich durch eine Fernsehsendung zum Thema Erziehung in den 90-er Jahren bekannt. Kindern, deren Verhalten als unpassend angesehen wurde und das die Eltern des Kindes an den Rand der Verzweiflung trieben, wurden an diesen stillen Ort gesetzt. Es steckte der Gedanke dahinter, dass Kind dazu zu befähigen nachzudenken, dass eigene Verhalten zu reflektieren und zum "runter zu fahren". 
Diese Gedanken  oder auch das Gefühl tiefer Hilflosigkeit, stecken auch heute noch oft dahinter, wenn Kinder diese Form der "Auszeiten" erfahren.
Was passiert bei dieser Methode? Erstmal hat jedes Verhalten eines Kindes einen guten Grund. Und jedes Kind handelt in dem aktuellen Moment so gut, wie es ihm möglich ist. Wenn Kinder "auffälliges" Verhalten zeigen, steckt dort auch immer ein guter Grund dahinter: Das Kind ist müde und kann nicht mehr kooperieren, es möchte seine Autonomie testen oder es versucht sich selbst zu regulieren, da es überfordert ist.  Ein Kind mit einem überforderten Nervensystem ist oft sehr unruhig, macht viel Quatsch, ist weinerlich oder wütend. Alles Zeichen, dass das Nervensystem am Anschlag ist oder schon darüber hinaus. Setze ich dieses Kind dann auf einen Stuhl, kann sich sein Verhalten gar nicht ändern, da weitere Stressoren dazu kommen: Der Stress still sitzen zu bleiben, die Ausgrenzung innerhalb der Familie oder der Gruppe, frei nach dem Motto "alle sehen, dass du dich daneben benommen hast", was mit großer Scham verbunden ist. Je nachdem, wo sich das Kind befindet, kann es zu einem Kontaktabbruch kommen. Das Kind sitzt auf dem Flur und die erwachsene Bezugsperson, die so wichtig für die Regulation des Nervensystems ist, verschwindet. Das Kind kann in diesen Momenten große Verzweiflung erfahren oder weiter rebellieren, da es die Regulation eines Erwachsenen braucht, damit es ihm besser gehen kann. Das wichtigste, dass Kinder in schwierigen Lebenssituation brauchen, ist die Anwesenheit einer Bezugsperson, die erkennen kann, dass jedem Verhalten ein guter Grund zugrunde liegt und sanft Co- regulieren kann.
]]>
<![CDATA[Von Hochsensibilität zum Thema Trauma?Ist der neue Weg in der Praxis so neu?]]>Wed, 14 Jan 2026 14:00:38 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/von-hochsensibilitat-zum-thema-traumaist-der-neue-weg-in-der-praxis-so-neu1o Jahre ist eine lange Zeit. 10 Jahre, in denen ich mich vor allem dem Thema Hochsensibilität und später auch dem Thema Neurodivergenz gewidmet habe.
In diesen Jahren durfte ich viele Familien und ihre Kinder begleiten und unzählige Menschen auf Vorträgen und in Seminaren kennenlernen. Ich bin so dankbar für diese Zeit und für viele zauberhafte Momente und Gespräche.
Doch in mir wurde ein Ruf laut, den ich schon im Alter von 14 Jahren in einem Gespräch mit  einem Klassenkameraden geäußert habe: "Ich werde mit traumatisierten Menschen arbeiten und sie begleiten." Damals war der Gedanke da, dass ich beim Jugendamt arbeiten werde. Heute kann ich sagen: "Zum Glück ist es anders gekommen." Denn meine Arbeit ist keine Arbeit, sondern ein Geschenk und das war schon so, als ich hochsensible/ neurodivergente Kinder begleitet habe. 
Und nun kommt das "ABER", der Grund, warum ich neue Wege gehe und meine Beratungen auf das Thema Trauma ausrichte. Viele Menschen, die ich begleiten durfte, waren fest davon überzeugt, das sie "nur" hochsensibel sind. In Gesprächen kam dann oft heraus, dass sie keine schöne Kindheit erlebt hatten. Das diese von emotionaler Kälte, Ablehnung und Gewalt geprägt war. Dies hat große Auswirkungen auf das Nervensystem und auch auf das der Kinder.
Durch diese Gespräche bin ich immer mehr ins grübeln gekommen. Natürlich gibt es Menschen, die hochsensibel geboren werden, die die typischen Merkmale nach Aron in sich tragen. Aber viele der kleinen und großen Menschen waren direkt oder indirekt von (Entwicklungs- ) Traumata betroffen. 
In Kombination mit der Erinnerung an das Gespräch mit meinem Klassenkameraden und dem nach wie vor bestehendem Wunsch traumatisierte Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten und im besten Fall noch Traumata durch Aufklärung zu verhindern, war es an der Zeit Zeit den neuen Weg zu gehen. Und diesen gehe ich mit vielen tollen Erinnerungen an die Zeit bis heute, die ich im Herzen trage.
]]>