<![CDATA[Familienberatung Nina Schmidt - Blog]]>Fri, 28 Aug 2026 13:00:38 +0200Weebly<![CDATA[Trennungsängste bei Kindern- Psychische Gründe]]>Fri, 28 Aug 2026 06:41:38 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/trennungsangste-bei-kindern-psychische-grundeWenn Kinder unter Trennungsängsten leiden, denken die meisten Menschen an Situationen, in denen sich das Kind räumlich von einem oder beiden Elternteilen trennen muss. Ein klassisches Beispiel ist der Start in die Kita mit der Eingewöhnungsphase. Kind und Eltern bereiten sich langsam und unter Begleitung auf Momente der Trennung vor, bis  sich das Kind  so weit an die neuen Bezugspersonen und die Umgebung gewöhnt hat, dass es alleine in der Kita bleiben kann.
Ein weiterer Punkt, der bei Trennungsängsten eine große Rolle spielen kann, sind psychische Gründe. Das Kind zeigt Verhalten wie Anklammern oder Vermeiden oder Panik, da es  versucht eine emotionale Trennung von den Eltern zu vermeiden. Es befindet sich auf der Suche nach Nähe, Verbundenheit und Zugewandtheit ist. Es hat zum Beispiel das Gefühl nicht "gesehen" oder nicht "angenommen" zu werden. Es kann das Gefühl haben, dass andere Geschwisterkinder oder die Arbeit der Eltern bevorzugt werden und die eigenen Bedürfnisse nach Nähe nicht ausreichend gesehen werden.
Gerade bei neurodivergenten Kindern erlebe ich diese Gründe in meinen Beratungen immer wieder. Diese Kinder spüren, dass sie "irgendwie anders" sind, als zum Beispiel ihre Geschwister und die Eltern (auch wenn die meisten Formen der Neurodivergenz vererbt werden und auch ein Elternteil betroffen sein könnte) und durch dieses "anders sein" fühlen sie sich nicht zugehörig und haben das Gefühl von Trennung. Diese psychischen Gründe für Trennungsängste sind nach außen nicht immer direkt ersichtlich und es braucht viel Feingefühl um sie mit dem Kind und den Eltern herauszufinden. Das Verhalten betroffener Kinder unterscheidet sich nicht, von dem der Kinder, die vor der räumlichen Trennung Angst haben: Anklammern, Weinen, Vermeidungsverhalten oder Wut. Die Gründe sind allerdings andere und brauchen eine andere Begleitung.
Das Thema "anders sein" und sich "nicht zugehörig" fühlen betrifft viele neurodivergente Kinder in Kitas oder in der Schule. Auch hier spüren sie, dass sie sich vom Großteil der anderen Kinder unterscheiden. Es gibt viele sehr zugewandte päd. Fachkräfte und Lehrer*innen, die die Kinder mit ihren besonderen Eigenschaften sehen, sie fördern und versuchen bestmöglich in den Gruppenverband zu integrieren. Leider ist das nicht immer der Fall, so wie es in den Familien leider auch nicht immer der Fall ist.  Wenn dies nicht gelingt und das Kind noch Opfer von Mobbing wird und fehlenden Schutz erfährt, liegen die Gründe für die Verweigerung auf der Hand. Niemand möchte an einen Ort, an  dem er nicht das Gefühl von Sicherheit, Verbundenheit und Annahme erfährt. Die Kinder verweigern sich und versuchen alles, um zu Hause zu bleiben. Sich der Situation nicht aussetzen zu müssen. In diesen Fällen gilt es das Selbstwertgefühl des Kindes aufzubauen, die psychischen Gründe für die Trennungsangst zu beheben und mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten.]]>
<![CDATA[orientierung am Nervensystem bei der  Eingewöhnung in der Kita]]>Fri, 14 Aug 2026 07:21:53 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/die-nervensystem-orientierte-eingewohnung-in-der-kitaSchon wieder eine neue Variante zur Eingewöhnung?
Nein, es ist keine neue Variante. Die langsame Eingewöhnung in die Kita, wie sie aktuell praktiziert wird, ist super und orientiert sich an den Bedürfnissen der Kinder. Wichtig ist hier aber auch, dass sich alle Beteiligten sicher fühlen müssen, wenn es zur ersten Trennungssituation kommt: Das Kind an erster Stelle, aber auch die Eltern und auch die päd. Fachkräfte.
Wenn das menschliche Nervensystem und sein Bedürfnis nach Sicherheit mit einbezogen wird, kann das ein wichtiger unterstützender Faktor sein, damit die Eingewöhnung gut gelingt.
Wie beschrieben strebt unser Nervensystem immer nach Sicherheit, denn es ist seine Aufgabe unser Überleben zu sichern. Gerade bei jüngeren Kindern schlägt es schnell Alarm, wenn die vertraute Bezugsperson und die vertraute Umgebung wegfallen. Neben der schrittweisen Eingewöhnung, kann man das Nervensystem mit ein paar leicht umzusetzenden Ideen helfen sich schneller sicher zu fühlen:
- In den ersten Tagen und Wochen nur wenige Lieder und Fingerspiele einführen und diese an die Eltern weitergeben (sie sind ja beim Singen dabei und brauchen somit nur noch den Text;) Die Lieder und Spiele können dann zu Hause im Alltag immer mal wieder eingebaut werden. Das schafft das Gefühl von Vertrautem.
- Mit vertrauten Gerüchen arbeiten: So wie die Kinder ein vertrautes Kuscheltier oder Kuscheltuch mit zum schlafen in die Kita nehmen, um einen vertrauten Geruch zu haben, können die Kinder auch vorab an den Geruch der Wäsche aus der Kita gewöhnt werden. Kleine Tücher, etwa in Handtuchform, die nach dem Waschmittel der Kita riechen, können an die Familien ausgeliehen werden, deren Kinder bald das erste Mal den Mittagsschlaf in der Kita ausprobieren. So kann der neue, fremde Geruch der Kitawäsche beim Mittagsschlaf in der vertrauten Umgebung wahrgenommen werden. Gerade neurodivergente Kinder, die sehr sensible Sinne haben, können von dieser Variante profitieren. 
- Den Zustand der Nervensysteme aller Beteiligten  im Blick behalten.

Beim Kind: Eine neue Umgebung beinhaltet automatisch viele neue Reize. Neue Gerüche, Spielsachen, Geräusche durch die anderen Kinder usw. Dazu kommt noch die Interaktion mit den neuen Bezugspersonen und auch hier der Scan des Nervensystems mit der Frage: Bin ich bei dieser Person sicher? Kann sie mich beschützen, wenn es darauf ankommt? 

Bei den Eltern: Das eigene Kind in einer neuen Umgebung bei fremden Personen für eine gewisse Zeit in Obhut zu geben, bedeutet für viele Eltern Stress. Gerade bei sehr jungen Kindern ist unser inneres Elternsystem nicht darauf ausgelegt, dass sich Eltern und Kind früh trennen (müssen). Wenn dieser eigene Stress zu groß wird, überträgt sich der auf das Kind und es kann sich nicht entspannt in der neuen Umgebung bewegen, da es den Stress /den Alarm der Erwachsenen spürt. Für die Eltern kann es schon sehr entlasten und mitunter den Alarm beenden, wenn sie ihre Sorgen und Bedenken mitteilen. Aber auch die Gefühle, die sie gerade bewegen. (Ich erlebe immer wieder Eltern, die ihr Kind noch nicht in die Kita geben möchten, sich aber aufgrund der wirtschaftlichen Lage dazu gezwungen fühlen). Manchmal hilft es sich den päd. Fachkräften mitzuteilen und manchmal braucht es auch professionelle Hilfe (und das ist okay und ein Zeichen von Stärke an sich zu arbeiten, um das eigene Kind gut begleiten zu können).

Den päd. Fachkräften: Eine Eingewöhnungsphase ist auch für die päd. Fachkräfte oft sehr stressig (ich empfand es in meiner aktiven Zeit als Erzieherin immer so, da ich das Gefühl hatte an vielen Stellen gleichzeitig sein zu wollen). Manchmal gibt es Momente, in denen der Stress überhand nimmt und eine weitere Aufgabe, wie genau in dem Moment in Interaktion mit einem neuen Kind zu gehen, keinen Sinn macht. Dann kann es hilfreich sein, wenn dies den Eltern mitgeteilt wird. "Ich habe gerade einen stressigen Moment erlebt und um ihr Kind gut begleiten zu können, brauche ich einen Moment." Manchmal reichen schon 2-3 tiefe Atemzüge, ein kalter Schluck Wasser oder warmer Kaffee, um runterzufahren und sich dann dem Kind zu widmen.
​Ein Nervensystem im "grünen Bereich" kann Sicherheit vermitteln und das ist es, was das kindliche Nervensystem in Trennungsphasen am meisten braucht!

]]>
<![CDATA[Trennungsangst oder Schwierigkeiten Übergänge zu meistern?]]>Fri, 07 Aug 2026 10:10:11 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/trennungsangst-oder-schwierigkeiten-ubergange-zu-meisternDas neue Kitajahr ist gerade gestartet und auch das neue Schuljahr nähert sich und damit ein Thema, dass mich seit vielen Jahren in meiner Praxis begleitet: Trennungsängste bei Kindern.
Eltern und päd. Fachkräfte erleben Kinder, die laut Weinen, sich Anklammern und verzweifelt versuchen die Trennung irgendwie zu verhindern. In manchen Fällen kommt es zu körperlichen Reaktionen wie Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel. Das Alarmsystem des Kindes ist total aktiviert und gibt alles, damit es nicht zur Trennung kommt.
Oft liegen die klassischen Gründe für eine Trennungsangst zugrunde: Das Gefühl sich (noch) nicht lösen zu können, mehr Sicherheit zu brauchen, die Stabilität der Bindung zu testen, Überforderung  usw. 
Bei manchen, gerade bei neurodivergenten Kindern, kommt oft die Schwierigkeit hinzu, dass sie Probleme haben Übergänge zu meistern. Eine Aktivität zu beenden und sich auf eine neue, kommende Aktivität einzustellen. Neue Aktivitäten, neue Situationen fordern neurodivergente Kinder sehr heraus, mehr noch, als neurotypische Kinder. Die Anzahl neuer und fremder Reize, fremde Menschen mit  noch unbekannter Art, zu kommunizieren und fehlende Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten in der neuen Situation. Auch das aktiviert das kindliche Nervensystem und es kommt zum Anklammern, Weinen, Vermeiden oder weglaufen. Den Unterschied zu erkennen oder ob eine Kombination aus beiden Gründen vorliegen kann, ist gar nicht immer so einfach. Ich möchte Dir heute Impulse mitgeben,  die Dich bei der Frage unterstützen können, was bei Deinem Kind den Alarm auslöst.

Ich möchte Dich heute einladen einmal zu überlegen:

- Hast Du das Gefühl, dass sich Dein Kind sicher in der neuen Einrichtung fühlt und Du es mit gutem Gefühl dort betreuen lassen kannst?
- Hast Du den Verdacht, oder weißt Du, dass Dein Kind ein neurodivergentes Kind ist?
- Wie reagiert es in Eurem gewohnten Umfeld auf Übergänge? Fällt es dem Kind leicht oder schwer?
- Was hat Eurem Kind und Euch als Eltern in der Vergangenheit geholfen solche Situationen zu meistern?
]]>
<![CDATA[Warum die regulation des elterlichen Nervensystems eine traumaprävention sein kann]]>Wed, 29 Jul 2026 09:20:38 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/warum-die-regulation-des-elterlichen-nervensystems-eine-traumapravention-sein-kannDie meisten Eltern stehen heute unter großem Stress, um den Alltag mit vielen Herausforderungen zu bewältigen. Viele Aufgaben gibt es jeden Tag zu erledigen und Pausen sind eine Seltenheit oder gar nicht vorhanden. Das Nervensystem steht unter Dauerstress und ist permanent aktiviert. Schon Kleinigkeiten wie ein verschüttetes Glas Milch können ausreichen, dass es auf elterlicher Seite zu starken emotionalen Reaktionen kommt. Laut werden, schreien und mitunter auch Worte, die das Kind emotional verletzen können und im schlimmsten Fall auch körperliche Übergriffe, wie das Kind am Arm ziehen, ein Schlag auf die Hände.... Wenn sich die Überforderung im körperlichen oder verbalen Rahmen "Luft verschafft" hat und die aufgestaute Energie abgeladen wurde, dann kommt oft der Schmerz und die Scham das eigene Kind so behandelt zu haben. "Ein Klaps auf den Po hat noch keinem geschadet", dieser alte Mythos hält sich hartnäckig. Und diese Annahme ist falsch. Jeder Übergriff erzeugt bei dem Kind eine kleine oder größere Narbe auf der Seele. Manche Kinder zeigen dieses deutlich und andere ziehen sich still in sich zurück. Manche Kinder vergessen die Situation schnell, wenn es ein einmaliges Erlebnis war und andere horchen immer wieder, ob es erneut zu so einer Situation kommen kann.
Kinder sind noch nicht in der Lage ihr eigenes Nervensystem zu regulieren. Sie brauchen Erwachsene, die sie dabei unterstützen dies zu lernen. Und sie brauchen Sicherheit. Sicherheit bedeutet auch, dass die Eltern und andere Bezugspersonen sich selbst gut regulieren können, wenn starke Emotionen aufkommen und sie ihr Kind in herausfordernden Situationen gut begleiten können, wenn dieses stark aufgewühlt ist und nicht mehr weiß, "wo ihm der Kopf steht".
Neben aktiver Selbstfürsorge können Übungen zur Nervensystemregulation eine sehr hilfreiche, wenn nicht die Unterstützung sein, um eine deutliche Veränderung im Familienalltag zu erzielen. Und es sind oft kleine Übungen, die ein große Wirkung zeigen, die sich leicht in den Alltag einbauen lassen. Während ich das Essen für mich und meinen Mann koche, habe ich immer ein bis zwei Übungen eingeplant, die mir helfen mein Nervensystem zu regulieren und eventuell aufgestaute Energie abzubauen. Und viele der Übungen machen auch Spaß, wenn man sie mit der ganzen Familie zusammen ausprobiert oder als feste Rituale in den Alltag einbaut.
]]>
<![CDATA[Gedanken zum Thema: Kinder unter vier Jahren in die Kinder- und Jugendpsychiatrie.....]]>Tue, 07 Apr 2026 10:03:14 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/gedanken-zum-thema-kinder-unter-vier-jahren-in-die-kinder-und-jugendpsychiatrieIn den letzten Wochen hatte ich viele Gespräche zum Thema: Kinder, die auf einen Platz in der Kinder- und Jugendpsychiatrie warten oder auf einen Platz in einer psychiatrischen Praxis.  Es waren mehrere Kinder dabei, die noch keine vier Jahre alt waren. Und auch, wenn ich diese Thematik öfter höre, muss ich ehrlicherweise jedes Mal schlucken. Die Kinder sind noch so jung, stecken mitten in ihrer Entwicklung und gelten als so auffällig, dass eine Alternative zur psychiatrischen Begleitung als scheinbar unmöglich angesehen wird.
Einige dieser Kinder habe ich kennengelernt und im Alltag erlebt. Einige von ihnen hatten den Verdacht, dass sie in den Bereich der Neurodivergenz fallen könnten (was in diesem Alter je nach Neurodivergenz schwer festzustellen ist). Eines hatten aber alle diese Kinder gemeinsam: Stress! Die Kinder waren gestresst. Die Ursachen für diesen Stress waren unterschiedlich und summierten sich häufig. Stress in der Familie, wechselnde Bezugspersonen in der Kita, zu viele Reize in ihrem Umfeld, fehlende Möglichkeiten für Ruhe, Regeneration und manchmal auch fehlendes Wissen um Regulation. 
Bei einigen der Kindern, die ich kennenlernen durfte, war ich erstaunt, wie lange sie trotz des Stresses noch versucht haben zu kooperieren und wie sehr sie sich bemüht haben, bis es einfach nicht mehr ging. Bis das Fass einfach überlief und sich der Stress entladen konnte.
Ich würde mir wünschen, dass das Wissen über die Funktionsweise des Nervensystems in allen Familien, Kitas, Schulen usw. verbreitet werden kann. Das Orte und Räume geschaffen werden, an denen regulierte Erwachsene Kinder begleiten können, die Regulation brauchen. 
Als ich gerade diesen Blogeintrag schreibe, scheint draußen die Frühlingssonne, die Vögel zwitschern und es wird langsam wärmer. Eine super Möglichkeit das Nervensystem runterzufahren und sich zu entspannen ist sich kurz Zeit sich in der Natur zu nehmen. Sich mit den Kindern auf den Boden zu legen oder zu setzen (oder auch alleine) und den Kontakt mit dem Boden einfach wahrzunehmen, um danach die Dinge im Umfeld wahrzunehmen. Was hörst du gerade? Was kannst du sehen, wenn du deinen Blick langsam schweifen lässt? Lasst es Euch von Euren Kindern erzählen, tauscht Euch aus. Nur 5 Minuten vielleicht. Aber in diesen 5 Minuten schafft ihr noch einen weiteren Punkt, der bei der Regulation unterstützt: Verbundenheit. Verbundenheit durch gemeinsames Erleben und Erzählen. Habt viel Freude dabei.]]>
<![CDATA[Wutanfall oder Reaktion des Nervensystems durch Überlastung?]]>Thu, 26 Mar 2026 13:24:06 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/wutanfall-oder-uberreaktion-des-nervensystemsZugegeben ein Blogbeitrag zu diesem Thema könnte Seiten füllen. Es ist ein großes Thema, bei dem viele Dinge eine Rolle spielen und doch möchte ich diesem Thema einen Post widmen. Warum? Vielen Kindern wir bei diesem Thema Unrecht getan. Es wird ihnen, oft aus Unwissenheit, unterstellt, dass sie ständige Wutausbrüche nutzen, um ihren Willen durchzusetzen. Und ja, gerade in der autonomen Phase bekommen Kinder klassische Wutanfälle. Trotz "Nein" der Eltern versuchen sie ihren Willen durchzusetzen und machen Dinge "trotz- dem". Wird dann ihr Wunsch oder ihr Bedürfnis erfüllt (manchen Kinder werden wütend, weil ihr Bedürfnis gesehen zu werden nicht erfüllt wird usw.), endet die Wut und das Kind geht zufrieden seinen Weg weiter.
Eine Reaktion des Nervensystems durch Überlastung sieht auch nach Wut aus. Betroffene Kinder verlassen den Bereich des Nervensystems, in dem sie sich wohlfühlen, kooperieren und lernen können, weil es einfach zu viel ist. Stellen Sie sich eine Sprudelflasche vor, die immer wieder leicht geschüttelt wird. Irgendwann zeigt sich der Druck und die Flüssigkeit schießt wie eine Fontäne aus der Flasche  heraus. Ähnlich ist ist das bei den Kindern auch: Sie halten dem Druck, den vielen Reizen nicht mehr Stand und explodieren. Manchmal mag es für Außenstehende aussehen, als käme diese Reaktion aus dem Nichts. In Wahrheit ist es aber ein komplexer Ablauf, der einzig und allein dafür gedacht ist, für unser Überleben zu sorgen. Ist dann das Maß überschritten und das Nervensystem zeigt seine Überlastung, kommen oft Reaktionen wie Wut, Aggressionen, eine Fluchttendenz mit oder ohne Verweigerung oder das Erstarren zum Tragen. Diese Reaktion braucht Zeit und ein ruhiges Gegenüber, dass dem kindlichen Nervensystem signalisiert, dass alles in Ordnung ist und es sich in Sicherheit befindet. Dieser Prozess braucht Zeit und Co- Regulation. Während ein klassischer Wutanfall relativ bewusst gesteuert werden kann, frei nach dem Motto: " Das Eis, das hole ich mir jetzt, das werdet ihr schon sehen" , ist diese Reaktion des Nervensystems eine, die ohne willentliche Beeinflussung passiert und denen auch das Kind hilflos ausgeliefert ist, denn diese Reaktion kostet extrem viel Kraft und kann mitunter auch im Nachhinein Unbehagen hervorrufen.]]>
<![CDATA[" gibt es überhaupt noch "normale" Kinder?"- Die Frage der Woche]]>Mon, 09 Feb 2026 10:33:01 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/-gibt-es-uberhaupt-noch-normale-kinder-die-frage-der-wocheLetzte Woche fiel der Satz mal wieder. Ich weiß nicht, wie oft ich ihn schon im Laufe der Jahre und vor allem in den letzten 2 Jahren, seitdem ich Vorträge zum Thema Neurodivergenz halte, gehört habe.
Der Satz: " Gibt es eigentlich noch "normale" Kinder?"
Ich beantworte diese Frage immer mit einer Gegenfrage: "Was verstehen sie unter "normal"?"
Die Antworten fallen oft gleich aus: Kinder, die "nichts" haben, die einfach "so mitlaufen", die keine Diagnosen als Entschuldigung haben (ja, auch diese Antwort gibt es...).
"Normal" ist das, was derjenige als "normal" empfindet, der diese Frage stellt. 
Es ist Fakt, dass es heute viele Kinder gibt, die durch ihr Verhalten auffallen, weil es von dem Verhalten abweicht, was die Gesellschaft von ihnen erwartet.  Als " normal" gilt oft ein Verhalten, dass früher gerne gesehen war. Brav am Tisch sitzen bleiben, nicht zappeln, im Unterricht gut mitarbeiten und vor allem nicht auffallen durch Wut, Angst oder weinen. "Nur die Harten kommen in den Garten", ist ein Satz, den ich in meiner Kindheit oft gehört habe. Platz für eine besondere Sensibilität oder eine besondere Form der Wahrnehmung? Fehlanzeige! Viele der heutigen Eltern sind aufgewachsen mit einer Form der großen Anpassung. Sie haben maskiert, um nicht aufzufallen, um "normal" in der Gesellschaft auftreten zu können. Viele von ihnen haben einen hohen Preis gezahlt und sind später in ein Burn Out oder in Depressionen geschlittert.
Die Kinder heute zeigen, dass der Weg der Anpassung kein gesunder ist. Sie spiegeln ihren Eltern, was diese als Kind gebraucht hätten, um ohne enorme Kraftanstrengung und maskieren aufwachsen zu können. 
Um die Frage zu beantworten: "Ja, es gibt heute weniger "normale" Kinder!"
Und das ist gut so, denn diese Kinder zeigen und lehren uns, dass die Zeit der Anpassung und des Maskierens vorbei ist. Sie zeigen auf, dass noch viele Eltern unverarbeitete Entwicklungstraumata in sich tragen, die Auswirkungen auf ihr Nervensystem haben und dies wiederum Auswirkungen auf das Nervensystem der Kinder.
Es gibt eine Vielzahl an Gründen, warum es heute mehr Kinder gibt, die durch ein "herausforderndes " Verhalten auffallen. Aber statt uns zu fragen, warum die Anzahl steigt, sollten wir uns fragen, was es braucht! Was braucht es, damit die Gesellschaft  toleranter wird und nicht mehr schaut, was "normal" ist und was "abweicht". Kinder leben es uns oft vor, für sie ist die Art und Weise, wie sie die Welt erleben und wie sie darauf reagieren "normal". Sie kategorisieren nicht. Sie sind einfach.
]]>
<![CDATA["Schreien lassen stärkt die Lunge!"- Ist das so?]]>Tue, 03 Feb 2026 09:08:08 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/schreien-lassen-starkt-die-lunge-ist-das-so"Lass dein Kind doch einfach mal schreien, das stärkt seine Lungen!" oder "Du verwöhnst dein Kind viel zu sehr, wenn du es nicht einfach auch mal schreien lässt!"
Sätze wie diese und noch weitere gut gemeinte Ideen hören sich viele junge Mütter in der heutigen Zeit an. Es ist ein Thema, dass viele Frauen in Gesprächen mit Müttern, Schwiegermüttern usw. bewegt und das große Unsicherheit auslöst.
Die Frage, ob das Kind zu sehr verwöhnt wird und ob dies Auswirkungen auf das spätere Leben hat, steht dabei oft weniger im Raum, sondern das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen, dass das Kind nicht einfach schreien gelassen wird. 
Und aus Sicht des Nervensystems ist das auch keine gute Idee, wie der heutige Wissensstand zeigt.
Was passiert mit einem kindlichen Nervensystem, wenn das Kind schreien gelassen wird?
Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt immer für unsere Sicherheit zu sorgen. Ohne, dass wir es bemerken, scannt es unsere Umgebung und unseren Körper ab und schaut so, ob alles in Ordnung ist und keine Gefahr droht. Wenn Gefahr droht, dann reagiert unser System bevorzugt mit Kampf oder Flucht. Diese beiden Mechanismen stehen Säuglingen und Kleinkindern nicht oder nur unzureichend zur Verfügung. Sie sind darauf angewiesen, dass eine erwachsene Person ihr Weinen und die drohende Gefahr wahrnimmt (Hunger kann  z.B. auch eine Gefahr sein, denn ohne Nahrung stirbt das Kind)und diese beseitigt. Schreit das Kind und schreit und schreit, ohne das Jemand reagiert, dann schaltet das Nervensystem in den nächsten Modus. Erstarren. Aus einem kraftvollen Weinen wird mitunter ein leises Wimmern. Wenn dann auch keine Hilfe kommt, dann bleibt dem Nervensystem nur noch die letzte Option: Sich tot stellen. In diesem Moment sagt das Nervensystem, dass die Gefahr so groß ist und keine Hilfe kommt und es besser ist, sich von der Welt abzuschalten, um sich zu schützen. Betroffene Kinder liegen dann im Bett und scheinen ganz ruhig oder auch zu schlafen. Sie sind aber nicht ruhig, denn die aufgestaute Energie, die sich durch die fehlende Hilfe aufgestaut hat, verbleibt im Körper und es kann eine traumatische Erfahrung sein, wenn Kinder wiederholt oder über einen längeren Zeitraum schreien gelassen werden. Auch kann sich daraus das Gefühl der sogenannten erlernten Hilflosigkeit entwickeln, deren Folgen noch bis ins Erwachsenenalter reichen können. Das Gefühl der erlernten Hilflosigkeit beschreibt das Gefühl alles alleine schaffen zu müssen und keine Hilfe erwarten zu können oder zu bekommen. Viele Erwachsene kennen dieses Gefühl und die Ursache kann in der Kindheit liegen.]]>
<![CDATA[Der "stille Stuhl", Auszeiten in einem anderen Raum als Erziehungsmaßnahmen]]>Mon, 26 Jan 2026 07:51:23 GMThttp://nina-schmidt.de/blog/der-stille-stuhl-auszeiten-in-einem-anderen-raum-als-erziehungsmassnahmenImmer wieder begegnet er mir, in Beratungen, auf Vorträgen oder in meinen Seminaren: Der "stille Stuhl". Der "stille Stuhl" und auch "die stille Treppe" wurden maßgeblich durch eine Fernsehsendung zum Thema Erziehung in den 90-er Jahren bekannt. Kindern, deren Verhalten als unpassend angesehen wurde und das die Eltern des Kindes an den Rand der Verzweiflung trieben, wurden an diesen stillen Ort gesetzt. Es steckte der Gedanke dahinter, dass Kind dazu zu befähigen nachzudenken, dass eigene Verhalten zu reflektieren und zum "runter zu fahren". 
Diese Gedanken  oder auch das Gefühl tiefer Hilflosigkeit, stecken auch heute noch oft dahinter, wenn Kinder diese Form der "Auszeiten" erfahren.
Was passiert bei dieser Methode? Erstmal hat jedes Verhalten eines Kindes einen guten Grund. Und jedes Kind handelt in dem aktuellen Moment so gut, wie es ihm möglich ist. Wenn Kinder "auffälliges" Verhalten zeigen, steckt dort auch immer ein guter Grund dahinter: Das Kind ist müde und kann nicht mehr kooperieren, es möchte seine Autonomie testen oder es versucht sich selbst zu regulieren, da es überfordert ist.  Ein Kind mit einem überforderten Nervensystem ist oft sehr unruhig, macht viel Quatsch, ist weinerlich oder wütend. Alles Zeichen, dass das Nervensystem am Anschlag ist oder schon darüber hinaus. Setze ich dieses Kind dann auf einen Stuhl, kann sich sein Verhalten gar nicht ändern, da weitere Stressoren dazu kommen: Der Stress still sitzen zu bleiben, die Ausgrenzung innerhalb der Familie oder der Gruppe, frei nach dem Motto "alle sehen, dass du dich daneben benommen hast", was mit großer Scham verbunden ist. Je nachdem, wo sich das Kind befindet, kann es zu einem Kontaktabbruch kommen. Das Kind sitzt auf dem Flur und die erwachsene Bezugsperson, die so wichtig für die Regulation des Nervensystems ist, verschwindet. Das Kind kann in diesen Momenten große Verzweiflung erfahren oder weiter rebellieren, da es die Regulation eines Erwachsenen braucht, damit es ihm besser gehen kann. Das wichtigste, dass Kinder in schwierigen Lebenssituation brauchen, ist die Anwesenheit einer Bezugsperson, die erkennen kann, dass jedem Verhalten ein guter Grund zugrunde liegt und sanft Co- regulieren kann.
]]>