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Immer wieder begegnet er mir, in Beratungen, auf Vorträgen oder in meinen Seminaren: Der "stille Stuhl". Der "stille Stuhl" und auch "die stille Treppe" wurden maßgeblich durch eine Fernsehsendung zum Thema Erziehung in den 90-er Jahren bekannt. Kindern, deren Verhalten als unpassend angesehen wurde und das die Eltern des Kindes an den Rand der Verzweiflung trieben, wurden an diesen stillen Ort gesetzt. Es steckte der Gedanke dahinter, dass Kind dazu zu befähigen nachzudenken, dass eigene Verhalten zu reflektieren und zum "runter zu fahren".
Diese Gedanken oder auch das Gefühl tiefer Hilflosigkeit, stecken auch heute noch oft dahinter, wenn Kinder diese Form der "Auszeiten" erfahren. Was passiert bei dieser Methode? Erstmal hat jedes Verhalten eines Kindes einen guten Grund. Und jedes Kind handelt in dem aktuellen Moment so gut, wie es ihm möglich ist. Wenn Kinder "auffälliges" Verhalten zeigen, steckt dort auch immer ein guter Grund dahinter: Das Kind ist müde und kann nicht mehr kooperieren, es möchte seine Autonomie testen oder es versucht sich selbst zu regulieren, da es überfordert ist. Ein Kind mit einem überforderten Nervensystem ist oft sehr unruhig, macht viel Quatsch, ist weinerlich oder wütend. Alles Zeichen, dass das Nervensystem am Anschlag ist oder schon darüber hinaus. Setze ich dieses Kind dann auf einen Stuhl, kann sich sein Verhalten gar nicht ändern, da weitere Stressoren dazu kommen: Der Stress still sitzen zu bleiben, die Ausgrenzung innerhalb der Familie oder der Gruppe, frei nach dem Motto "alle sehen, dass du dich daneben benommen hast", was mit großer Scham verbunden ist. Je nachdem, wo sich das Kind befindet, kann es zu einem Kontaktabbruch kommen. Das Kind sitzt auf dem Flur und die erwachsene Bezugsperson, die so wichtig für die Regulation des Nervensystems ist, verschwindet. Das Kind kann in diesen Momenten große Verzweiflung erfahren oder weiter rebellieren, da es die Regulation eines Erwachsenen braucht, damit es ihm besser gehen kann. Das wichtigste, dass Kinder in schwierigen Lebenssituation brauchen, ist die Anwesenheit einer Bezugsperson, die erkennen kann, dass jedem Verhalten ein guter Grund zugrunde liegt und sanft Co- regulieren kann.
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1o Jahre ist eine lange Zeit. 10 Jahre, in denen ich mich vor allem dem Thema Hochsensibilität und später auch dem Thema Neurodivergenz gewidmet habe.
In diesen Jahren durfte ich viele Familien und ihre Kinder begleiten und unzählige Menschen auf Vorträgen und in Seminaren kennenlernen. Ich bin so dankbar für diese Zeit und für viele zauberhafte Momente und Gespräche. Doch in mir wurde ein Ruf laut, den ich schon im Alter von 14 Jahren in einem Gespräch mit einem Klassenkameraden geäußert habe: "Ich werde mit traumatisierten Menschen arbeiten und sie begleiten." Damals war der Gedanke da, dass ich beim Jugendamt arbeiten werde. Heute kann ich sagen: "Zum Glück ist es anders gekommen." Denn meine Arbeit ist keine Arbeit, sondern ein Geschenk und das war schon so, als ich hochsensible/ neurodivergente Kinder begleitet habe. Und nun kommt das "ABER", der Grund, warum ich neue Wege gehe und meine Beratungen auf das Thema Trauma ausrichte. Viele Menschen, die ich begleiten durfte, waren fest davon überzeugt, das sie "nur" hochsensibel sind. In Gesprächen kam dann oft heraus, dass sie keine schöne Kindheit erlebt hatten. Das diese von emotionaler Kälte, Ablehnung und Gewalt geprägt war. Dies hat große Auswirkungen auf das Nervensystem und auch auf das der Kinder. Durch diese Gespräche bin ich immer mehr ins grübeln gekommen. Natürlich gibt es Menschen, die hochsensibel geboren werden, die die typischen Merkmale nach Aron in sich tragen. Aber viele der kleinen und großen Menschen waren direkt oder indirekt von (Entwicklungs- ) Traumata betroffen. In Kombination mit der Erinnerung an das Gespräch mit meinem Klassenkameraden und dem nach wie vor bestehendem Wunsch traumatisierte Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten und im besten Fall noch Traumata durch Aufklärung zu verhindern, war es an der Zeit Zeit den neuen Weg zu gehen. Und diesen gehe ich mit vielen tollen Erinnerungen an die Zeit bis heute, die ich im Herzen trage. |
AuthorHallo, ich bin Nina und ich schreibe in diesem Blog zu den Thema Trauma, dysfunktionalen Familiensystemen, Traumaprävention. ArchivesCategories |
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